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Konfrontation mit der Realität –

Junge Flüchtlinge besuchen Oberstufenklasse des JMF

 

 

Bereits im Vorfeld sind Anspannung und Vorfreude bei allen Beteiligten spürbar, als am Donnerstag, dem 15. Oktober 2015, der Sozialkundekurs 2sk3 des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums (Leitung von OStRin Michaela Sperr) Besuch erwartet von zwei jungen Flüchtlingen, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen sind.

 

Die Situation der Flüchtlinge aus einer anderen Perspektive sehen – diese Motivation begleitet die Vorbereitung des Besuchs von Ridwan und Kareem. Gleichaltrige sollen mit Gleichaltrigen sprechen können, über ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Schicksalsschläge, aber auch über Zukunftsperspektiven, über alle kulturellen Grenzen hinweg.

 

Eine Schülerin des Oberstufenkurses, Katharina Deml, deren Mutter Erzieherin im „Haus des Guten Hirten“ in Ettmannsdorf ist, hat den Kontakt hergestellt. Seit einiger Zeit werden im Internat der katholischen Jugendfürsorge auch junge unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen.

Die siebzehnjährige Ridwan aus Somalia und der achtzehnjährige Kareem aus Afghanistan zeigen anhand einer Landkarte, auf welchen Wegen sie nach Deutschland gekommen sind und wie lange ihre Flucht jeweils gedauert hat. Schon jetzt lässt sich erahnen, dass allen Beteiligten eine sehr emotionale und bewegende Stunde bevorsteht, über die die Schülerinnen und Schüler später in ihren Erlebnisprotokollen berichten, woraus hier wörtlich und in Auszügen zitiert wird.

 

„Wenn ich an unsere letzte Stunde denke, fühle ich mich unbehaglich. Ich glaube, dass ich noch nie in meinem Leben so etwas Bewegendes live miterlebt habe.“

 

„Kareem fing an, von seiner langen Reise zu erzählen und alle hörten gespannt zu. Doch als er näher ins Detail ging, stockte vielen der Atem. Keiner von uns kann sich nur im Geringsten vorstellen, wie es ist, drei Monate ohne Familie, Geld, Freunde und allem, was einem sonst noch wichtig ist, sein Heimatland zu verlassen, um nach Europa zu gelangen.“

 

„Es ist schwer, sich vorzustellen, wie verzweifelt die beiden gewesen sein mussten, um die Entscheidung zu treffen, von Zuhause fort zu gehen.“

 

„Ridwan berichtete nicht so ausführlich von ihrer Reise, dafür aber von den Missständen, die in Somalia herrschen. Als ich hörte, dass ihr Bruder mit ihr gemacht hat, was er wollte, konnte ich meinen Schrecken nicht mehr verbergen. Die Tränen schossen mir in die Augen. Auch als sie von ihrem verstorbenen Vater berichtete und von den Umständen, wie er umgekommen ist, wurde mir schlecht. Ridwan selber brach auch in Tränen aus und keiner von uns konnte auch nur ein Wort sagen.“

 

„Ridwan musste ihrem Vater drei Tage beim Sterben zuschauen, da zwei Männer ihn in seinem eigenen Haus ermordet hatten. Das ist für mich unvorstellbar.“

 

„Jede Nacht hörte Ridwan Schüsse in ihrem Dorf und in einer Nacht betraf es sie selbst.“

 

„Die Flucht war sehr teuer. Ridwans Familie musste eines ihrer beiden Häuser verkaufen, um ihr und ihrer Tante und drei Freundinnen die Flucht zu ermöglichen. Zwischen 3000 und 9000 Euro kostet eine Flucht nach Europa.“

 

„Heute gehen Ridwan und Kareem in Schwandorf gemeinsam zur Schule. Sie lernen die deutsche Sprache und wollen den Quali machen. Ich war erstaunt, wie gut die beiden bereits Deutsch können. Kareem möchte Informatik studieren, Ridwan will Altenpflegerin werden.“

 

„Ich finde es gut, dass Kareem und Ridwan versuchen, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. Allerdings ist das ohne Hilfe durch engagierte Leute nicht möglich. Deswegen schätze ich auch sehr die Arbeit der Einrichtungen, die Flüchtlingen auf ihrem Weg ins 'neue Leben' helfen wollen.“

 

„Beide Lebensgeschichten haben mich sehr schockiert. Ich wusste zwar, dass es den Menschen in Somalia und Afghanistan nicht gut geht, doch persönliche Geschichten zu hören, nimmt einen viel mehr mit als die Darstellung in den Medien. Ich werde diese Unterrichtsstunde nie mehr vergessen und fand sie sehr ergreifend.“

 

„Die Gespräche mit Ridwan und Kareem haben mich noch Tage lang extrem beschäftigt. Ich würde mich gern mehr engagieren.“

 

„Die Geschichten der beiden haben mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. Es wurde wieder deutlich, wie gut wir es eigentlich haben.“

 

„Ich bin dankbar für diese Stunde, weil ich nun eine andere Sichtweise entwickelt habe und gesehen habe, wie schlecht es den Familien in diesen Ländern wirklich geht. Man muss echt stark sein, um eine solche Reise anzutreten und auch erfolgreich durchzuführen. Ich weiß, dass ich mich das niemals getraut hätte. Deshalb habe ich großen Respekt vor den beiden. Durch Kareem und Ridwan habe ich gelernt, mein Leben mal wieder zu schätzen, anstelle dauernd unzufrieden zu sein. Denn wir haben eine Familie, die uns liebt, sind gesund und müssen keine Angst haben, nicht zu überleben!“

 

 

Die gemeinsame Unterrichtsstunde setzt Emotionen frei, weckt Empathie und Einfühlungsvermögen aller Beteiligten. Toleranz und Respekt anderen Menschen gegenüber sind Werte, die in unserer Demokratie unerlässlich sind. Umso schöner, wenn diese Werte auch gelebt werden, wie die Schülerinnen und Schüler des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums in der Begegnung mit Ridwan und Kareem in beeindruckender Weise gezeigt haben.

 

 

Michaela Sperr, SchülerInnen des 2sk3


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