Fachschaft Geschichte


Überblick:


Downloads:


„Wir hatten alle Angst“
Zeitzeugin Ingrid von Derschau berichtet vom Leben im Zweiten Weltkrieg

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird deutlich: Die Erinnerungen der letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind kostbar – und bleiben gerade für junge Menschen von großer Bedeutung. Im Juli hatte die Klasse 9e des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums Burglengenfeld die besondere Gelegenheit, mit einer Zeitzeugin ins Gespräch zu kommen.

Ingrid von Derschau, geboren 1933 in Lahr und heute im BRK-Seniorenzentrum Regenstauf lebend, schilderte bewegend ihre Kindheit und Jugend während der NS-Zeit. Sie sprach vom Schulalltag unter nationalsozialistischer Ideologie, von den Kriegserlebnissen ihres Vaters an der Front – und dessen Rückkehr nach Hause, die für sie ein prägendes Erlebnis war.

Eindrücklich berichtete sie auch von den Bombennächten in ihrer Heimatstadt Lahr, die sie mit anderen Kindern und Erwachsenen in einem alten Keller überstand:

„Wenn draußen die Sirenen heulten, zitterten wir. Wir hatten alle Angst.“

Auch die Zeit nach 1945 unter französischer Besatzung war von Unsicherheit und Entbehrungen geprägt – und von dem Versuch, mit dem dramatischen Erlebten umzugehen. Ingrid von Derschau, deren Schilderungen bereits in der Badischen Zeitung veröffentlicht wurden, plant inzwischen eine Drucklegung ihrer Erinnerungen.

Ein herzlicher Dank gilt Schülerin Johanna Nuß (9e), die den Kontakt zu Frau von Derschau hergestellt und so diesen besonderen Einblick in ein bewegendes Kapitel deutscher Geschichte ermöglicht hat.


Ingrid von Derschau – beeindruckende Zeitzeugin mit bewegender Lebensgeschichte.


Aufmerksame Zuhörer: Die 9e im Gespräch mit Ingrid von Derschau im Klassenzimmer.

S. Schmidmeier [Schuljahr 2024/25]


JMF-Schüler erforschen Grenzen und Geschichten: Erfolgreiche Teilnahme am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Mit großem Engagement und wissenschaftlichem Tiefgang beteiligten sich die Schüler des W-Seminars „Migration vor Ort – in Vergangenheit und Gegenwart“ am diesjährigen Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der unter dem Leitthema „Bis hierhin und nicht weiter? Grenzen in der Geschichte“ stand.

Der eingereichte Beitrag widmete sich einem weitgehend vergessenen Kapitel regionaler Nachkriegsgeschichte: dem jüdischen DP-Lager bzw. Kibbuz im Schloss Teublitz, das zwischen 1946 und 1947 jungen Holocaust-Überlebenden als landwirtschaftliche Ausbildungseinrichtung diente und sie auf eine Auswanderung nach Palästina vorbereiten sollte. Ein Kibbuz bezeichnet eine kollektiv organisierte Siedlungsform, meist mit zionistisch-sozialistischer Ausrichtung, in der junge Überlebende gemeinsam auf ein neues Leben vorbereitet wurden.

Im Zentrum des Projekts stand das Schicksal der dort untergebrachten Displaced Persons (DPs). Besonders eindrucksvoll ist die Biografie von Samuel Brückner, dessen Lebensweg die Schüler durch intensive Recherchen in regionalen und internationalen Archiven rekonstruieren konnten. Erst im Anschluss an ihre eigene Quellenarbeit stießen sie auf das digitale Zeitzeugenprojekt Keeping Memories der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, in dem Brückner selbst über seine Erfahrungen berichtet – von der Verfolgung, über den Todesmarsch und den Aufenthalt in Teublitz bis hin zum Neuanfang in Israel.


Das Schloss Teublitz fungierte nach dem Zweiten Weltkrieg als „Flüchtlingskinderheim“ bzw. als jüdisches DP-Lager mit Landwirtschaftsschule (Kibbuz), um die jungen Erwachsenen auf die Ausreise nach Palästina vorzubereiten. [Foto: Stadtarchiv Teublitz, Bildarchiv (bisher keine Signatur)]


Exemplarische Liste von Displaced Persons (DPs) aus dem Kibbuz Teublitz, ausgestellt durch den Markt Teublitz am 12.08.1946 – darunter auch der 1925 geborene Samuel Brueckner. [Dokument: Arolsen Archives, 108002374]

Auf Grundlage einer umfangreichen Namensliste aus dem Stadtarchiv Teublitz sowie Materialien des Arolsen Archives entstand eine detaillierte Auswertung zur Herkunft, Altersstruktur und früheren KZ-Haft der Campbewohner. Ergänzt wurde der Beitrag durch mehrere biografische Skizzen, die die vielfältigen Formen von Grenzen – geografisch, sozial, kulturell und existenziell – sichtbar machen.

Für ihre fundierte Forschungsarbeit wurden die Schüler mit Urkunden ausgezeichnet, die ihnen Schulleiter OStD Matthias Schaller und die Betreuungslehrkraft StR Sebastian Schmidmeier überreichten.


Verleihung der Urkunden für die erfolgreiche Teilnahme am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten durch Schulleiter OStD Matthias Schaller mit Schülerinnen und Schülern des W-Seminars „Migration vor Ort – in Vergangenheit und Gegenwart“. [Foto: E. Aggül]

S. Schmidmeier [Schuljahr 2024/25]


Geschichte auf Schritt und Tritt – Unterwegs im Städtedreieck Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof und Teublitz


Schülerinnen und Schüler des P-Seminars "Geschichte auf Schritt und Tritt" mit Schulleiter Matthias Schaller OStD, Elternbeiratsvorsitzenden Martin Antretter, P-Seminarleiter Sebastian Schmidmeier StR, Dominik Hitzek vom R1 Werbestudio, Christina Scharinger (Volkskundemuseum) und Dr. Thomas Barth (Archivar im Städtedreieck). [Bild: P. Lehner]

Nach einem Jahr harter Arbeit war es endlich so weit, die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Geschichte konnten am Sommerfest des JMF-Gymnasiums die druckfrischen Exemplare des neuen Stadtführers für das Städtedreieck präsentieren. Auf knapp 60 Seiten liefert diese illustrierte Broschüre einen knappen Überblick über die Geschichte der drei Städte Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof und Teublitz und erwähnt ihre wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Ziel des P-Seminars war es, die Geschichte des Städtedreiecks an historischen Orten exemplarisch in den Blick zu nehmen und dabei aber auch Formen, Institutionen und Akteure der lokalen Geschichtskultur zu untersuchen.

Bei der Erstellung des Stadtführers haben die Schülerinnen und Schüler von einigen externen Partnern, wie etwa von Sebastian Hauser (Geschäftsleiter Zweckverband Städtedreieck), Dr. Thomas Barth (Archivar des Stadtarchivs Burglengenfeld, Teublitz und Maxhütte-Haidhof), Christina Scharinger (Leiterin des Oberpfälzer Volkskundemuseums) sowie Dominik Hitzek (R1 Werbestudio, Burglengenfeld) tatkräftige Unterstützung erfahren.

Die Broschüre ist kostenlos und im Johann-Michael-Fischer-Gymnasium, in den drei Rathäusern, im Volkskundemuseum in Burglengenfeld sowie in der Geschäftsstelle des Zweckverbands Städtedreieck erhältlich. Zudem ist vorgesehen, dass man mit QR-Codes auch digital auf das Produkt zurückgreifen kann.

S. Schmidmeier [Schuljahr 2023/24]


Onkel Erich lässt’s krachen

Am Dienstag, 18.07.2023, machten die Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe sich auf den Weg nach Regensburg, um dort im Haus der Bayerischen Geschichte die Sonderausstellung „Barock! Bayern und Böhmen“ zu besuchen.


Klasse 7a

Im Unterricht hatten wir von unseren Geschichtslehrkräften, Herrn Conrad, Herrn Philipp, Herrn Schmidmeier und Frau Weber-Hoffend, die diese Exkursion organisiert hatten, schon viel über die Zeit des Barock erfahren. So wussten wir bereits einiges über den 30-jährigen Krieg, wie es anschließend zum Westfälischen Frieden kam und dass Maximilian von Bayern zum achten Kurfürsten ernannt worden war.

Bei der Führung hatten wir, die Klasse 7c, das Glück, von „Onkel Erich“ begleitet zu werden, denn dieser erzählte uns lebendig vom Prager Fenstersturz und auch davon, wie die barocken Kirchen geplant und gebaut wurden. Für die Errichtung eines dieser Gotteshäuser, dessen Modell wir bestaunten, wurden umgerechnet 45 Millionen Euro an Spenden (!) aufgebracht. Nach einem von vielen „Auf geht’s, Freunde!“ schilderte Onkel Erich uns beim Modell eines „Hexen-Mahnmals“, wie eine der typischen Hexenproben dieser Zeit aussah, nämlich die Wasserprobe: Überlebte die der Hexerei Beschuldigte, nachdem man sie von einer Brücke geworfen hatte, war sie eindeutig eine Hexe und wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ertrank sie, war sie zwar keine Hexe, aber trotzdem tot.

Wir betrachteten Kleidungsstücke aus der Zeit des Barock und erfuhren, dass einige der adligen Frauen damals wegen der engen Korsette mit Holzstäben sogar ums Leben kamen und dass diese Damen mit Honig gefüllte Flohfallen unter ihren weit ausgestellten Röcken trugen, denn es galt als unschicklich, sich zu kratzen – zumindest für die Frauen. Bei Männern war das durchaus normal. Außerdem berichtete Onkel Erich davon, dass es keine linken oder rechten Schuhe gab, sondern man in den „Einheitsschuhen“, von denen ein Paar Stöckelschuhe mit Samt ausgestellt waren, ganz schön leiden musste, wenn man auf den Bällen tanzte. Diese Veranstaltungen mussten unbedingt mit einem Feuerwerk enden, denn die vornehme Gesellschaft ließ es gerne „ganz schön krachen“.

Nach der sehr anschaulichen und interessanten Führung besuchten wir noch selbständig die Dauerausstellung und machten ein paar lustige Bilder, was in der Barockausstellung leider verboten war.

Abschließend spazierten wir über die Steinerne Brücke, die - wie wir inzwischen wussten – im Mittelalter als Weltwunder galt, probierten außergewöhnliche Eissorten, beispielsweise Lavendel-Zitrone oder Cheesecake-Nutella, und ließen es auf diese Weise ordentlich „krachen“, … wie Onkel Erich zu sagen pflegt.

Klasse 7c und S. Weber-Hoffend [Schuljahr 2022/23]